Animation des Einsteinteleskops, wie es unter Lausitzer Boden entstehen könnte. Marco Kraan, ©Nikhef

Wo du nach den Sternen greifen kannst: Großforschungszentrum Lausitz

Es wird einer der Leuchttürme im Lausitzer Strukturwandel: das Großforschungszentrum auf sächsischer Seite. Über den Ideenwettbewerb „Wissen schafft Perspektiven für die Region!“, einer gemeinsamen Initiative von Bundesforschungsministerium, Sachsen und Sachsen-Anhalt, sollen zwei Großforschungszentren in Sachsen entstehen, eins im Mitteldeutschen Revier und eins im Lausitzer Revier. Der Bund greift dafür tief in den Geldbeutel: Für die Aufbauphase sind 1,2 Milliarden Euro je Forschungszentrum vorgesehen, anschließend eine langfristige Förderung von 170 Millionen Euro jährlich. Aktuell läuft das Auswahlverfahren. Wir stellen die drei Bewerbungen für das Großforschungszentrum in der sächsischen Lausitz vor und zeigen die Perspektiven für Studis und Absolvent:innen auf.

Ein Forschungszentrum und ein Teleskop tief unter der Erde
Fünf der Physik-Nobelpreise der vergangen zehn Jahre kamen aus der Astrophysik. Der Bereich, ein Treiber für neue Technologien, boomt. Doch ein nationales Forschungszentrum fehlt in Deutschland. Die Gründung des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) wäre daher ein Gewinn für die Wissenschaft – und für die Lausitz. „Das DZA verbindet alle Facetten moderner Technologie und schafft attraktive Arbeitsplätze und Ausbildungsmöglichkeiten in vielen Bereichen. Das bietet vor allem jungen Menschen eine Perspektive in der Region“, freut sich Prof. Dr. Jürgen Besold, ehemaliger Leiter des Technologie- und Gründerzentrums Bautzen, über die Bewerbung. Vorschusslorbeeren für den Standort Lausitz kommen auch von Antragsteller Prof Dr. Günther Hasinger, Wissenschaftsdirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA: „Die Voraussetzungen sind hervorragend. Wir setzen auf die Lage im Zentrum Europas, die Kompetenz und das Know-how vor Ort und nicht zuletzt die einzigartigen seismographischen Bedingungen im Granitgestein.” Die drei Säulen des DZA sind: Ein Datenzentrum, in dem Datenströme von Observatorien aus aller Welt zusammenlaufen, ein Technologiezentrum, in dem unter anderem neue Halbleiter-Sensoren, Silizium-Optiken und Regelungstechniken entwickelt werden und ein Forschungslabor unter der Erde. Zudem will die Initiative das Einsteinteleskop, ein bereits geplantes europäisches Gravitationswellenobservatorium, in die Lausitz holen.

Forschungs- und Berufsfelder:

Astrophysik, Astronomie, Weltraumwissenschaft, Sensortechnik und Materialforschung, IT, Data Science, Künstliche Intelligenz, Angewandte Statistik, Maschinenbau, Green-Computing, Quanten-Computing, High-Performance-Computing.

Deutsches Zentrum Astrophysik im Web

So könnte das LAB Lausitz Art of Building aussehen ©CGI HENN 4

Für einen Paradigmenwechsel im Bauwesen
Wir verbrauchen und übernutzen die Ressourcen unserer Erde und verändern sie massiv. Die Folgen sind Klimawandel, Ressourcenknappheit, Naturkatastrophen, Hunger, Flucht und Armut. Das Bauwesen ist an diesen Entwicklungen massiv beteiligt. Es erlaubt uns zwar behagliches Wohnen und nie gekannte Mobilität dank einer sicheren Infrastruktur, doch trotz seines großen Beitrags zu unserer Lebensqualität hat das heutige Bauen auch Nachteile. Es verbraucht sehr viele Ressourcen, die wie Sand schon knapp werden, und es verursacht rund 25 Prozent des CO2-Ausstoßes und verbraucht circa 40 Prozent der erzeugten Energie. Weniger zu bauen, ist keine Lösung, denn die Weltbevölkerung wächst weiter. Also müssen wir anders bauen, das Bauen neu denken. Hier setzt die zweite Bewerbung an. Die Mission des LAB Lausitz Art of Building ist die Umsetzung des größten bisher dagewesenen Paradigmenwechsels im Bauwesen: das gesamte Bauen und die Nutzung der gebauten Umwelt in eine klima- und ressourcenneutrale, langlebige, variable, ästhetische und Werte schaffende Bauweise zu transformieren. Die Lausitz könnte sich zum Mittelpunkt der Welt für das Bauwesen entwickeln und den Menschen in der Region zahlreiche neue Perspektiven bieten.

Forschungs- und Berufsfelder:

Bauwirtschaft, Bauingenieurwesen, Architektur, Verfahrenstechnik, Materialwissenschaften, Biologie, Chemie, Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Mikroelektronik, Robotik, Logistik, Nachhaltigkeitsforschung, Geschichte, Datenanalysten, Soziologie, Rechts- und Politikwissenschaften

LAB Lausitz im Web

Modell einer mit 3D-Druckern erzeugten Mondbasis © ESA – P. Carril

Weltraum-Rohstoff-Forschung mit nachhaltigem Nutzen für die Erde
Mit einem European Research Institute for Space Resources (ERIS) will die TU Freiberg bestehende Kompetenzen in der Wissenschaft mit der regionalen Wirtschaft in der Lausitz bündeln, um gemeinsam eine Weltraum-Rohstoff-Forschung zu etablieren, die zur Sicherung der Existenzgrundlagen auf der Erde beiträgt. Forscher:Innen wollen die wissenschaftlichen und technischen Voraussetzungen für die Errichtung bemannter Stationen auf erdnahen Himmelskörpern wie Mond und Mars entwickeln. „Wenn wir jetzt Technologien entwickeln, die den anspruchsvollen Bedingungen auf Mond und Mars gerecht werden, generieren wir auch innovative Lösungen für gegenwärtige Herausforderungen auf der Erde – insbesondere in Verbindung mit der nachhaltigen und ressourcenschonenden Versorgung der Menschen sowie neuartigen künstlich-intelligenten Produktionssystemen“, umschreibt Antragsteller Prof. Carsten Drebenstedt von der TU Bergakademie Freiberg den Benefit. Von der Entwicklung von Konzepten, die den anspruchsvollen Bedingungen auf Mond und Mars gerecht werden, erhofft man sich auch innovative Lösungen für gegenwärtige Herausforderungen auf der Erde. Weltraumtechnologien sollen in der Lausitz mit den Ressourcen vor Ort entwickelt werden, mit den Kompetenzen im Abbauen und Verarbeiten von Rohstoffen und der Energieversorgung.

Forschungs- und Berufsfelder:

Luft- und Raumfahrtindustrie, Weltraumforschung, Rohstoff-, Material- und Umweltforschung, Informatik, Maschinenbau, sowie Energie- und Verfahrenstechnik, Werkstoff- und Wirtschaftswissenschaften

European Research Institute for Space Ressources im Web