Das Thema Nachhaltigkeit findet sich auch im Studienangebot der HSZG wieder, wie zum Beispiel im Bachelor-Studiengang Ökologie und Umweltschutz. Foto: Paul Glaser für HSZG

Im Check: So „grün“ ist die Hochschule Zittau/Görlitz

Als erste Hochschule Deutschlands und Europas hat die HSZG ein Umweltmanagementsystem nach EMAS eingeführt und viele Jahre aufrechterhalten. Seit 2016 wendet sie das hochschulspezifischere, selbst entwickelte Baukastensystem Nachhaltiger Campus an. Für sie ist die Frage, wie eine nachhaltige Hochschule aussieht und die Suche nach den Antworten eng mit der eigenen Identität verbunden. Immerhin möchte sie als Vorbild, Multiplikator und Ansprechpartner der Region gesehen werden, wenn es um klimagerechtes Denken und Handeln geht. Doch wie sehr kann sie ihrer Rolle heute gerecht werden? An welchen Stellschrauben muss die HSZG noch drehen, um ihren Selbstanspruch zu erreichen? Wir ließen uns von Ulrike Bobek, Umweltkoordinatorin der HSZG, das Idealbild einer grünen Hochschule zeichnen und verglichen es mit dem Status Quo.

Wie ist Ihre Idealvorstellung einer komplett nachhaltigen Hochschule, was gehört Ihres Erachtens alles dazu?
Eine nachhaltige Hochschule vermittelt und erforscht einerseits Wissen sowie konkrete Lösungsansätze zu nachhaltiger Entwicklung. Andererseits ist sich eine nachhaltige Hochschule ihrer Vorbild- und Multiplikatorfunktion bewusst und gestaltet den eigenen Betrieb nachhaltig, z. B. durch die stetige Verkleinerung ihres ökologischen Fußabdrucks. Eine komplett nachhaltige Hochschule ist klimapositiv und animiert ihre Mitarbeitenden, Studierenden und andere Interessengruppen tagtäglich dazu, Nachhaltigkeit sowohl an der Hochschule als auch im Privaten mit Freude umzusetzen. Dieses Thema durchdringt alle Bereiche und Prozesse dieser Hochschule.

Wie weit sehen Sie die Hochschule Zittau/Görlitz auf diesem Weg?
Die HSZG hat in der Vergangenheit maßgebliche Verbesserungen erreicht. Zum Beispiel haben wir mit der frühen Umstellung auf 100 % Recyclingpapier ein enormes Einsparpotenzial genutzt. Nicht zuletzt durch das breite Studienangebot, z. B. in den Bereichen Umweltschutz, angewandte Ökologie und regenerative Energietechnik oder Management sozialen Wandels, sind Themen mit Nachhaltigkeitsbezug eng mit der Lehre und der Forschung verflochten.
Auf dem Gebiet der Partizipation haben wir in den vergangenen Jahren gute Formate etabliert, wie z. B. den Tag der Umwelt, die Gesundheits- und Umwelttage, den Kinosalon, ReUse- und ReCycle-Aktionen, ein Urban Gardening Projekt und vieles mehr.
Des Weiteren bietet die Hochschule Formate zum lebenslangen Lernen, z. B. ein Seniorenkolleg und eine Kinderakademie, es existiert ein umfangreiches Hochschulsportangebot und auch auf dem Gebiet des Gesundheitsmanagements gibt es Fortschritte zu verzeichnen.
Auch unsere Studierenden zeigen zunehmendes Engagement, z. B. durch eine im Jahr 2020 gegründete Hochschulgruppe „students for future“ und einen Arbeitskreis Umwelt. Die Gruppen bringen sich mit vielen guten Ideen und Tatendrang z. B. im Themenfeld klimaneutrale Hochschule ein und platzieren durch öffentlichkeitswirksame Aktionen das Thema Nachhaltigkeit in der Region.

Wo besteht aus Ihrer Sicht noch Verbesserungspotenzial?
Besonders auf die Sensibilisierung der Mitarbeitenden hinsichtlich ihrer Selbst- und Außenwirksamkeit möchten wir noch mehr hinwirken. Es gibt noch immer Diskussionen über Sinn und Zweck nachhaltigen Handelns. Auch ist die Nachhaltigkeit in viele Beschaffungsprozesse noch nicht vollständig integriert – zum Beispiel, wenn es um Rechnertechnik geht.

Foto: Tobias Ritz für HSZG


3 Vorhaben auf dem Weg zur grünen HSZG

  • Integriertes Klimaschutzkonzept: In den nächsten zwei Jahren beschäftigt sich die Hochschule Zittau/Görlitz mit der Erstellung eines integrierten Klimaschutzkonzeptes und der Etablierung eines Klimaschutzmanagements. Sie bestärkt so das Wirken der Hochschule als Akteur in der Region, um uns den dringlichsten Problemen unserer Zeit – dem Klimawandel und seinen Folgen – zu stellen. Dies umfasst eine Auseinandersetzung mit möglichst allen klimarelevanten Bereichen und adressiert die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten der Hochschule insbesondere in den Kernprozessen Lehre, Forschung, Transfer und Betrieb.
  • Besser sichtbare Nachhaltigkeitsbemühungen: Dafür sind ein öffentlich zugänglicher Nachhaltigkeitspfad auf dem Hochschulgelände sowie die Veröffentlichung eines Nachhaltigkeitsberichtes in Planung.
  • Nachhaltigere Einkäufe: Es wird ein hochschulspezifischer Katalog gewünscht, der konkrete nachhaltige Produkte enthält und aus dem das Hochschulpersonal seine Arbeitsmittel beziehen soll.