Im Interview: Harry Lehmann, Leiter vom PtX Lab Lausitz – hier links zu sehen. Er leitet das Lab, das synthetische Treibstoffe in den Luft- und Seeverkehr bringen soll. Fotos: Rainer Weisflog / PtX Lab Lausitz

Für grüne Treibstoffe aus dem Reagenzglas

Anders als im Straßenverkehr sind in der Luft- und Seefahrt strombasierte Antriebe nicht möglich. Die einzige klimafreundliche Antriebs-alternative zu fossilen Brennstoffen sind für Schiffe und Flugzeuge daher PtX-Technologien. Mit ihnen werden aus erneuerbar erzeugtem Strom Wasserstoff und anschließend Kraft- oder Grundstoffe produziert. Auch in der chemischen Industrie könnten durch Anwendung von PtX-Technologien große Mengen CO2 eingespart werden. Das im August 2021 in Cottbus neu eröffnete PtX Lab Lausitz setzt sich mit diesen Technologien auseinander und bringt die Forschung hierzu voran, um das Thema PtX zur Marktreife zu bringen. Dabei entstehen gerade für Studierende aus der Region interessante Perspektiven zum Mitmachen, wie uns Lab-Leiter Harry Lehmann im Interview erzählt.

Das PtX Lab soll Wissensplattform, Impulsgeber und Ansprechpartner für Industrie, Politik und Wissenschaft sein. Worin liegen die konkreten Tätigkeiten Ihrer Mitarbeiter – also wie läuft ein typischer Tag im Lab ab?
Den „typischen Tag“ gibt es bei uns nicht. Unsere Ziele und die konkreten Tätigkeiten sind zu vielfältig für die Arbeit nach Schema F.
Wir wollen der PtX-Technologie zum Markthochlauf verhelfen. Dabei sind ganz viele Fähigkeiten gefragt. Wir werden beispielsweise Standards für Nachhaltigkeit wissenschaftlich definieren. Später geht es um Optimierungen im Anlagenbau. Für beides ist technische Expertise gefragt. Wir brauchen also Ingenieure im Team: Physik, Umweltwissenschaften, Verfahrenstechnik.
Aber es soll natürlich auch darum gehen, unsere Themen in die Öffentlichkeit zu tragen. Dafür gibt es ebenfalls Spezialisten. Nicht zuletzt müssen wir als Einrichtung effizient und wirtschaftlich arbeiten. So bieten wir auch eine Perspektive für klassische Bürokräfte. Wer sich interessiert, soll einfach mal anklopfen. Dann geben wir gerne einen detaillierten Einblick.

Es ist der Bau einer PtX-Demonstrationsanlage in der Lausitz geplant. Was genau soll hier demonstriert werden?
Es wird in der Anlage darum gehen, ganz praktisch zu demonstrieren, wie möglichst effizient aus erneuerbarer Energie ein nachhaltiger synthetischer Kraftstoff entstehen kann. Der Fokus liegt dabei erst einmal auf dem Bereich Luftfahrt.

Inwiefern haben Studierende die Möglichkeit, bei Ihnen mitzuwirken – einerseits während des Studiums, andererseits als Absolventen nach dem Studium?
Die Hochschulen der Region bilden interessante Kandidat*innen aus, die wir natürlich gerne frühzeitig für das PtX Lab Lausitz begeistern wollen. Am besten geht das, wenn wir ihnen schon während des Studiums zeigen können, woran wir arbeiten und warum das so bedeutsam ist. Dafür richten wir gerade Planstellen für Praktikant*innen ein. Auch Student*innen in der Abschlussphase werden bei uns einen Platz finden und können dann unsere Themen zum Beispiel in einer Masterarbeit aufgreifen. Es wird jetzt nur noch ein wenig dauern, bis die Strukturen dafür geschaffen sind. Absolvent*innen kann ich aber schon einmal sagen: Wir sind bereits fortlaufend auf der Suche nach neuen Kolleg*innen, die sich mit uns gemeinsam auf den beschriebenen Weg machen.

Wie werben Sie um Mitarbeiter und wissenschaftlichen Nachwuchs?
Ich finde: Es gibt derzeit keine wichtigere Aufgabe auf der Welt, als den Klimaschutz voranzubringen. Bei uns im PtX Lab Lausitz können Beschäftigte ganz direkt einen Teil dazu beitragen. Gleichzeitig bietet sich die Chance, den Strukturwandel in der Lausitz mitzugestalten – von der Kohleregion zu einem Zentrum für Technologien und Anwendungen für grünen Wasserstoff.
Außerdem ist es ein besonderes Erlebnis, bei einem solchen Aufbruch dabei zu sein. Wir wollen hier gemeinsam etwas Neues aufbauen. In einem neuen Lab. Mit neuen Ideen und Strukturen. Für eine gute Sache. Für die Region. Eine bessere Werbung für die Arbeit im PtX Lab Lausitz kann es doch gar nicht geben.

Wir danken für das Interview.

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